Chinook-Wind: der «Schneefresser» der Rocky Mountains
In Teilen des westlichen Nordamerikas gibt es einen berühmten Wind, der einen eisigen Wintertag in wenigen Stunden in einen milden, fast frühlingshaften Nachmittag verwandeln kann. Er heißt Chinook und wird oft «Schneefresser» genannt, weil er Schnee so schnell zum Schmelzen bringt.
Wo weht der Chinook?
Chinook-Winde sind am häufigsten an den östlichen Hängen der Rocky Mountains, besonders in:
- Alberta in Kanada (zum Beispiel Calgary und Lethbridge)
- Montana, Wyoming und benachbarten Bundesstaaten der USA
Hier schaffen hohe Berge und große Druckunterschiede die perfekten Bedingungen für starke Hangwinde.
Wie entsteht der Chinook?
Der Chinook ist eine Art Föhn- (Hang-)Wind. Der Ablauf funktioniert meist so:
- Feuchte Luft vom Pazifischen Ozean wird ostwärts zu den Rocky Mountains gedrückt.
- Beim Aufstieg an den westlichen Hängen kühlt sich die Luft ab und kondensiert — es entstehen Wolken und Niederschlag. So verliert die Luft Feuchtigkeit.
- Nach dem Überschreiten des Kammes steigt trockenere Luft an den östlichen Hängen ab. Beim Absinken erwärmt sie sich durch Kompression schnell.
- Am Fuß der Berge und in der Ebene ist sie warm, trocken und böig — der Chinook.
Weil die Luft beim Aufstieg Feuchtigkeit verliert, aber beim Abstieg wärmer wird, kann die Temperatur in der Ebene innerhalb weniger Stunden um 10–20 °C oder mehr steigen.
Wie fühlt sich ein Chinook-Tag an?
An einem Chinook-Tag können Menschen in Städten wie Calgary Folgendes bemerken:
- einen schnellen Temperatursprung von unter dem Gefrierpunkt zu deutlich über 0 °C
- starke, manchmal sehr böige Winde aus den Bergen
- schnell schmelzenden Schnee, nasse Straßen und freien Boden
- deutlich trockenere Luft — angenehmer, aber auch sehr trocken in Innenräumen
Diese Wärmephasen sind oft willkommene Pausen in einem langen Winter, können aber auch verursachen:
- Lawinengefahr in Berggebieten durch schnelles Erwärmen
- Eisstaus und lokale Überschwemmungen, wenn eine dicke Schneedecke zu schnell schmilzt
Warum heißt der Chinook «Schneefresser»?
Die Kombination aus warmen Temperaturen, trockener Luft und starkem Wind lässt Schnee schnell verschwinden:
- warme Luft schmilzt den Schnee an der Oberfläche
- trockene Luft begünstigt Sublimation, bei der Schnee direkt zu Wasserdampf wird
- Wind mischt die Luft und beschleunigt beide Prozesse
Nach einem starken Chinook kann eine tiefe Schneedecke in nur ein bis zwei Tagen schrumpfen oder verschwinden.
Chinook im Alltag
Chinooks gehören in vielen Gemeinden entlang der Rocky Mountains zur lokalen Kultur:
- man spricht oft vom «Warten auf einen Chinook» in langen Kälteperioden
- manche Städte haben Bögen oder Denkmäler zum Chinook-Wind
Für Meteorologen ist der Chinook ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Berge und atmosphärische Zirkulation auffälliges lokales Wetter erzeugen.
Wenn der Wetterbericht Chinook-Winde am Fuß der Rocky Mountains ankündigt, können Sie mit einem plötzlichen, böigen Aufwärmen rechnen — der klassische «Schneefresser» in Aktion.
Wenn der Wetterbericht Chinook-Winde am Fuß der Rocky Mountains ankündigt, können Sie mit einem plötzlichen, böigen Aufwärmen rechnen — der klassische «Schneefresser» in Aktion.
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